Die Mühle in Förstgen
02906 OT Förstgen, Mücka, Deutschland · 961 Einwohner:innenWo sich ein Dorf wieder trifft
Der Weg nach Förstgen führt hinaus in die Landschaft. Die Straßen werden schmaler, Wiesen und Teiche der Oberlausitz rücken näher. Am Ortsrand steht die alte Wassermühle – Backstein, Holzfenster –, davor eine mächtige Eiche. Der Platz wirkt ruhig, fast unscheinbar. Und doch passiert hier etwas. Heute sitzen an Wochenenden Radfahrer:innen vom Seeadlerrundweg neben Dorfbewohner:innen bei Kaffee und Kuchen. Die Mühle ist Café, Herberge und Veranstaltungsort zugleich – ein Treffpunkt für den Ort. Das war nicht immer so. Jahrzehntelang stand das Gebäude leer und verfiel.
Eine Idee nimmt Gestalt an
Die Geschichte beginnt mit einer Streuobstwiese neben der Mühle. Dort ließ die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz ihre Schafe grasen. Als die Besitzerin starb, fragte ihr Sohn: Wollt ihr die Mühle übernehmen? „Ich habe erst gedacht: Was soll ich mit einer Mühle?“, erinnert sich Initiatorin Annett Hertweck. Eine Kollegin brachte die Idee von einem Café ins Spiel – für Wandernde, Radfahrende und Menschen aus dem Dorf. Hertweck zögerte, bis sie die große Eiche vor dem Haus genauer betrachtete. Rund 300 Jahre alt. „Da habe ich mich verliebt.“ 2019 stellte die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, die die Mühle heute auch betreibt, einen Förderantrag. Kurz darauf begann die Sanierung. Während der Bauarbeiten blieben immer wieder Menschen stehen und fragten, was hier entsteht. Einige brachten später Dinge vorbei: Lampen, Stühle, Möbel. Aus dem Dorf kamen Sammeltassen mit Goldrand oder Blümchen. Heute wird der Kaffee genau darin serviert. Die Einrichtung ist ein Mix aus Geschenken und Fundstücken – gepolsterte Stühle, Kirchenbänke, Holztische. So entstand eine Atmosphäre, die eher an ein Wohnzimmer erinnert als an ein Café.
Ein Haus voller Leben
Seit der Eröffnung 2022 finden regelmäßig Veranstaltungen statt: Ausstellungen, Lesungen, Gespräche. Beim Weihnachtskonzert erklingt ein Klavier, beim Karaokeabend wird gesungen. Manches entsteht spontan – wenn jemand von einer Reise oder von der Natur erzählt. Viele Ideen kommen direkt aus dem Dorf. Menschen bringen sich ein oder helfen mit.
Das Gemeindewohnzimmer
Förstgen hat rund 300 Einwohner:innen, Treffpunkte sind rar. Die Mühle schließt diese Lücke. Hier sitzen ältere Dorfbewohner:innen bei Kaffee zusammen, Familien feiern Geburtstage, Wandernde machen Pause. Manche zeigen auf eine Tasse oder einen Tisch und sagen: „Das haben wir damals vorbeigebracht.“ Im Obergeschoss gibt es Gästezimmer, nebenan wurde eine Scheune zum Veranstaltungsraum ausgebaut. Der Weg dorthin war nicht einfach: Förderanträge, knappe Mittel, Skepsis im Ort. Vieles entstand in Eigenarbeit. Heute helfen Menschen aus der Umgebung mit und packen an. Die Mühle gehört längst nicht mehr nur ihren Initiator:innen. Wie früher bringt sie Menschen zusammen – nicht mehr zum Mahlen, sondern zum Miteinander.

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