Gemeindebackhaus Gnevkow
17089 Gnevkow, Deutschland · 308 Einwohner:innenWenn ein Ofen ein Dorf zusammenbringt
Gnevkow liegt im Osten Mecklenburg-Vorpommerns, nördlich von Neubrandenburg. Ein kleines Dorf zwischen Feldern und Seen, rund 300 Einwohner:innen, verteilt auf mehrere Ortsteile. Wer einkaufen will oder zum Friseur muss, fährt in die nächste Stadt. Im Dorf selbst ist es ruhig geworden. Vor ein paar Jahren ergab sich deshalb die Frage: Was hält ein Dorf eigentlich zusammen? Der Anstoß kam aus einem Seminar. 2020 bot die Hochschule Neubrandenburg einen Kurs für sogenannte Dorfmoderator:innen an. Menschen aus kleinen Gemeinden sollten lernen, wie man Projekte entwickelt, Orte belebt. Drei Frauen aus der Gemeinde nahmen teil – und brachten eine Idee mit nach Hause. Zunächst entstand eine kleine überdachte Sitzgruppe. Doch bald wurde klar: Wenn man so etwas schafft, kann man auch größer denken.
Ein Haus mit Geschichte
Im Dorf stand ein kleines Gebäude leer. Früher Spritzenhaus der Feuerwehr, später Jugendclub, zwischendurch Hühnerstall. Direkt am Dorfteich, auf einer großen Wiese. Uwe Delies, Initiator des Projekts, erinnerte sich an eine Reise nach Thüringen. Dort hatte er ein Dorfbackhaus erlebt: Menschen backen zusammen Zwiebelkuchen, sitzen beisammen, reden. „So etwas gab es früher auch bei uns“, sagt er. In vielen Dörfern teilten sich Familien einen Backofen. Die Idee: Das alte Spritzenhaus umbauen und dort wieder einen Holzbackofen betreiben – als neuen Treffpunkt für das Dorf.
Viel Arbeit für eine einfache Idee
Aus der Idee wurde ein großes Projekt. 2021 gründete Delies den Ortsförderverein Gnevkow. Fördermittel wurden beantragt, Spenden gesammelt, Baupläne erstellt. Doch während der Bauphase stiegen die Materialpreise stark an. Rechnungen mussten vorgestreckt, Finanzierungslücken geschlossen werden. Erst nach vielen Gesprächen und zusätzlicher Unterstützung konnte der Umbau abgeschlossen werden. Seit 2023 wird das Backhaus genutzt.
Backen als Gemeinschaftsarbeit
Der Holzbackofen ist das Herz des Hauses. Beim letzten Herrentag bzw. Vatertag backte das Team rund 100 Pizzen. Am Vortag wurde Teig vorbereitet, morgens Gemüse geschnitten und Soßen angerührt. Mehrere Menschen belegten die Teigfladen, andere schoben sie in den Ofen oder verteilten draußen die Stücke. „Backen ist nur das Medium“, sagt Delies. „Eigentlich geht es ums Zusammensitzen.“
Ein Treffpunkt für das Dorf
Heute finden im Backhaus mehrmals im Jahr Backtage statt – zu Ostern, im Advent oder am Herrentag. Dann sitzen Menschen an langen Tischen, Kinder helfen beim Teigformen, manchmal schaut der örtliche Chor vorbei. Der Verein zählt rund 25 Mitglieder, weitere helfen mit. Das Backhaus ist kein dauerhaft geöffneter Treffpunkt. Delies verfügt über die Schlüssel, denn der Ofen verlangt Erfahrung. Vieles hängt vom Engagement Einzelner ab. Doch wenn der Ofen heiß wird, kommen Menschen zusammen. Und manchmal reicht genau das, um Gemeinschaft zu stiften: ein Tisch, ein Holzofen – und der Geruch von frischem Brot.

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