Die Krone in Trogen
9043 Trogen, Schweiz · 1.862 Einwohner:innenWenn ein Dorf sein Gasthaus rettet
Trogen, ein Dorf mit rund 1.800 Einwohner:innen im Kanton Appenzell Ausserrhoden in der Ostschweiz, besitzt einen der schönsten Plätze der Region: den Landsgemeindeplatz mit seinen barocken Häusern. Direkt daneben steht die Krone, ein historisches Gasthaus – lange ein Mittelpunkt des Dorflebens. Als im Dezember 2022 ein Screenshot im Dorf kursierte, wurde vielen schlagartig klar, was auf dem Spiel stand. Darauf zu sehen: ein Mann vor der Krone, der behauptete, das Gebäude bereits gekauft zu haben und dort Seminare veranstalten zu wollen. Später stellte sich heraus, dass die Krone ein Treffpunkt der Reichsbürger werden sollte. „In diesem Moment wurde sehr viel Energie frei“, erinnert sich Lucia Burtscher. „Viele haben plötzlich gespürt, dass wir handeln müssen.“
Eine Idee aus dem Dorf
Dabei hatte alles viel unspektakulärer begonnen. Die damalige Pächterin der Krone musste den Betrieb aufgeben – zu groß war die Aufgabe für eine Einzelperson. Wieder drohte das Gebäude leer zu stehen, wie schon mehrfach zuvor. Bei einem ersten Treffen kamen Menschen mit ganz unterschiedlichen Ideen zusammen: Kuchen backen, Dienste übernehmen, Veranstaltungen organisieren. Bald stellte sich eine grundlegende Frage: Könnte ein Dorf ein solches Haus gemeinsam tragen? Aus der Initiative entstand im März 2023 zunächst ein Verein, später zusätzlich eine Stiftung. Als das Gebäude zwischenzeitlich an einen Investor verkauft wurde, verstärkte das den Entschluss, die Krone dauerhaft zu sichern. Innerhalb weniger Monate gelang es schließlich, genügend Geld zu mobilisieren, um das Haus zu kaufen.
Ein Haus voller Leben
Heute tragen rund 80 Menschen das Projekt, etwa die Hälfte engagiert sich regelmäßig – fast alles geschieht vollständig ehrenamtlich. Sie führen das Bistro, betreuen Gäste und organisieren Veranstaltungen: Konzerte, Lesungen, Vorträge oder Spielenachmittage für Jung und Alt. An einem Sonntagnachmittag zeigt sich, was daraus entstanden ist: Nach dem Gottesdienst trinken ältere Paare Kaffee, Familien sitzen mit Kindern am Fenster, hinter der Theke steht eine pensionierte Lehrerin. Die Öffnungszeiten sind bewusst begrenzt, damit andere Betriebe im Dorf keine Konkurrenz bekommen. Die Krone soll kein Restaurant ersetzen, sondern ein Treffpunkt bleiben.
Ein Ort für alle
Heute ist die Krone wieder das, was sie lange war: ein Ort der Begegnung. Vielleicht sogar mehr als das – ein Beispiel dafür, wie gemeinschaftliches Engagement einen wichtigen Ort im Dorf bewahren kann. „Die Krone gehört jetzt niemandem allein“, sagt Burtscher. „Und genau deshalb gehört sie wieder allen.“

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