bugo – Göfis erfindet seinen Treffpunkt neu
6811 Göfis, Österreich · 3.317 Einwohner:innenDie Bücherei, die ein ganzes Dorf zusammenbringt
Göfis, 3.500 Einwohner, liegt oberhalb von Feldkirch. Ein begehrter Wohnort: sonnig, ruhig, gut angebunden. Gerade das wurde zum Problem. Kultur, Cafés und Einkaufsmöglichkeiten gab es rundherum – nur nicht im Dorf selbst. Das Zentrum verlor an Leben. „Wir haben gemerkt: Wenn wir nichts tun, stirbt uns das Dorf aus“, sagt Rudolf Malin, Leiter der bugo. Damals war die Bücherei in einem kleinen, wenig einladenden Raum untergebracht und nur vier Stunden pro Woche geöffnet. Die Gemeinde startete deshalb ein Entwicklungsprojekt mit Bürgerbefragungen und Arbeitsgruppen. Am Ende stand ein neuer Ort – und ein neuer Name: bugo, kurz für Bücherei Göfis.
Mehr als eine Bücherei
Die bugo ist heute Bibliothek, Café, Dorfladen und Bühne zugleich. Herzstück bleibt die Bücherei mit rund 12.000 Medien und großzügigen Öffnungszeiten: 41 Stunden pro Woche, auch sonntags. Dazu kommt ein kleines Café mitten zwischen den Bücherregalen. Wer will, trinkt Kaffee oder isst Kuchen. Wer nicht will, ist dennoch willkommen. Konsumzwang gibt es nicht. In einer Ecke verkaufen Mitbürger:innen ihre selbst gemachten Produkte: Sirupe, Marmeladen, Seifen oder Strickwaren. „Es geht immer um Menschen“, sagt Malin. „Man weiß, wer das gemacht hat.“ Und immer wieder machen die Bürger:innen den Raum zur Bühne: für Lesungen, Reiseberichte, Konzerte oder Gesprächsabende.
Ein Garten ohne Zäune
Die bugo blieb nicht auf das Gebäude beschränkt. Hinter dem Haus lag früher ein Parkplatz. Heute befindet sich dort der bugo-Garten – ein offener Aufenthaltsraum mit Wasserlauf, Obstbäumen, Sitzplätzen und Pavillon. Eine Boulebahn lockt ältere Menschen an, während Kinder matschen und Jugendliche auf den Bänken sitzen. Der Garten ist bewusst offen gestaltet: ohne Zäune, ohne klare Grenzen. Wege führen durch Kirche und Friedhof zurück ins Zentrum. So entstehen Begegnungen ganz nebenbei. Auch soziale Angebote haben hier Platz. Der Krankenpflegeverein betreibt einen betreuten Mittagstisch, Eltern kommen zur Beratung mit ihren Kindern. Pflegekräfte aus dem Ausland treffen sich hier nach Feierabend.
Ein Ort, den viele tragen
Die bugo funktioniert, weil Gemeinde und Ehrenamt zusammenarbeiten. Ein Team aus 15 Frauen und Männern betreibt die Einrichtung, unterstützt von vielen Freiwilligen. Sie organisieren Veranstaltungen, backen Kuchen oder pflegen den offenen Bücherschrank draußen. Heute ist die bugo längst mehr als eine Bücherei. Sie ist Treffpunkt, Wohnzimmer und Bühne des Dorfes zugleich. Oder, wie Malin sagt: „Wenn ein Vater hier mit seinen Kindern auf den Kissen liegt und ihnen ein Buch vorliest, dann denke ich: Genau dafür haben wir diesen Ort geschaffen.“

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