Altes Rathaus Schöckingen
71254 Ditzingen-Schöckingen, Deutschland · 1.797 Einwohner:innenEin Haus fürs Dorf – seit fast 25 Jahren
Mitten in Schöckingen steht ein kleines Fachwerkhaus aus dem Jahr 1788. Dicke Mauern, schwere Holzbalken, niedrige Räume. Einmal in der Woche stehen hier im Erdgeschoss kleine Tische mit Kuchenplatten und Kaffeekannen. Dann öffnet das Dorfcafé. Menschen aus Schöckingen und den umliegenden Weilern kommen vorbei – junge Familien, Senior:innen, Spaziergänger:innen. Manche bleiben eine Stunde, manche den ganzen Nachmittag. Aus dem Raum dringen Stimmen. Gelächter. Manchmal Musik. Früher war hier das Rathaus des Dorfes. Später ein kleines Museum. Als es geschlossen wurde, blieb ein schönes Gebäude zurück – genutzt wurde es aber kaum.
Ein Haus bekommt neues Leben
Also rief die Stadt Ditzingen die Bürger:innen auf, Ideen für das Gebäude zu entwickeln. Daraus entstand 2001 der Arbeitskreis Altes Rathaus, zwei Jahre später der gemeinnützige Verein. „Es war einfach zu schade, dieses Haus leer stehen zu lassen“, sagt Ingrid Hoffmann, stellvertretende Vorsitzende. „Wir wollten daraus wieder einen Ort für die Menschen im Dorf machen.“ Die Stadt stellte das Gebäude kostenlos zur Verfügung – inklusive Wasser und Strom. Im Haus blieb auch die örtliche Bibliothek. Den Rest füllten die Bürger:innen selbst: mit Ideen, Veranstaltungen und viel ehrenamtlicher Arbeit.
Kaffee, Kultur und Gespräche
Das Herzstück des Hauses ist bis heute das Dorfcafé. Einmal in der Woche wird der Veranstaltungsraum zum Treffpunkt. Drei Menschen backen jeweils einen Kuchen, zwei andere übernehmen den Thekendienst. Insgesamt beteiligen sich rund 40 Ehrenamtliche daran. Organisiert wird alles von einem kleinen Kern aus acht Engagierten. Neben dem Café organisiert der Arbeitskreis jedes Jahr rund zehn größere Veranstaltungen: Jazzkonzerte, Lesungen, Improvisationstheater oder Ausstellungen mit Kunstschaffenden aus der Region. Mehr als 60 Gäste passen kaum in den Raum. „Es ist fast wie ein Wohnzimmerkonzert“, sagt Hoffmann. Auch andere Formate sind entstanden: ein Computer-Café für Senior:innen, ein Literaturkreis, in dem auch über Zeitungsartikel diskutiert wird, ohne dass einer Recht haben muss. Oder ein monatlicher Spieleabend, organisiert mit der Nachbarschaftshilfe und dem Jugendclub des Dorfes.
Ein Treffpunkt für das Dorf
Das Alte Rathaus bringt Menschen zusammen. Wer ins Café kommt, setzt sich oft einfach zu anderen an den Tisch. Gespräche entstehen von selbst. „Man lernt hier Leute kennen, denen man sonst nie begegnet wäre“, sagt Hoffmann. Nach fast 25 Jahren steht der Verein nun vor einem Generationswechsel. Viele der Gründungsmitglieder werden älter, neue Engagierte werden gesucht. Doch im Ort ist klar: Das Alte Rathaus soll bleiben. Wenn sich das Haus im Advent mit silbernen Sternenketten füllt, Kunsthandwerker:innen ihre Stände aufbauen und es nach Waffeln und Glühwein riecht, zeigt sich, was hier entstanden ist: ein Haus fürs Dorf – seit fast 25 Jahren. Und eines, das nun eine nächste Generation braucht.

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