Die Werkstatt 26 in Königstein
01824 Königstein, Deutschland · 2.141 Einwohner:innenEin Ort für Begegnung in der Sächsischen Schweiz
Durch die großen Schaufenster der Werkstatt 26 sieht man sofort, was drinnen passiert. Zwei Frauen schneiden Gemüse für ein gemeinsames Essen. Im Veranstaltungsraum werden Stühle aufgestellt, im Obergeschoss stöbert eine Familie in der Second-Hand-Stube. Mitten in Königstein, einer Kleinstadt mit rund 2.000 Einwohner:innen in der Sächsischen Schweiz, ist dieses Haus zu einem Treffpunkt geworden. Die Werkstatt 26 – benannt nach ihrer Hausnummer – wird vom Verein weltbewusst e. V. betrieben. Hier wird gekocht, diskutiert, gespielt und organisiert. Ein offenes Haus für Menschen, die sich einbringen wollen.
Vom Zuhören zur Bürgerinitiative
Der Verein entstand ursprünglich aus Workshops zur „3. Generation Ost“ – Menschen, die ihre Kindheit in der DDR erlebten und ihr Erwachsenenleben im vereinten Deutschland. In diesen Treffen erzählten sich Menschen ihre Lebensgeschichten. „Erst zuhören, dann reagieren“, beschreibt Vorstandsmitglied Johannes Dietrich das Prinzip. Oft entstanden Gespräche, die im Alltag selten stattfinden. 2015 veränderte sich die Situation in Deutschland, und auch im Ort. Viele Geflüchtete kamen nach Königstein. Die Stadt nahm deutlich mehr Menschen auf als vorgesehen. Unterstützung wurde dringend gebraucht – bei Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Einrichten von Wohnungen. In der Werkstatt 26 trafen sich Ehrenamtliche, um Hilfe zu koordinieren. Daraus entstand eine Arbeitsgruppe Flüchtlingshilfe – und schließlich 2017 der Verein weltbewusst e. V.
Ein Haus voller Ideen
Seit 2019 nutzt der Verein das Gebäude Schritt für Schritt. Mitglieder renovierten Räume, bauten ein barrierefreies WC und richteten neue Angebote ein. Heute gibt es hier einen Veranstaltungsraum, eine Kleiderstube, einen Co-Working-Bereich und Räume für Kurse. Die großen Schaufenster sorgen dafür, dass Passant:innen sehen, was im Haus passiert – und einfach hereinkommen. Das Programm ist vielfältig: Beim „Frei_Raum“ treffen sich jeden Dienstag Menschen zum Kaffee, Spielen oder Gespräch. In „lebendigen Bibliotheken“ erzählen Gäste ihre persönlichen Geschichten. Dazu kommen Reisevorträge, Sprachkurse, Reparaturtreffs oder Smartphone-Sprechstunden. Beliebt sind auch gemeinsame Kochabende, bei denen Menschen Gerichte aus ihrer Heimat zubereiten – von Pelmeni bis Masala.
Raum für Begegnung
Die Werkstatt 26 ist aber nicht nur Treffpunkt, sondern auch Anlaufstelle für neue Ideen. Wer ein Projekt umsetzen möchte, findet hier Räume und Unterstützung. So kam etwa ein Fabmobil in die Stadt – ein Bus mit 3D-Druckern und Lasercuttern für Technikworkshops. Auch größere Veranstaltungen entstehen aus solchen Netzwerken. Ein polnisches Puppentheater mit sieben Meter hohen Figuren lockte einmal mehrere hundert Menschen auf den Marktplatz. In einer Region mit politischen Spannungen versucht der Verein bewusst, Gesprächsräume offen zu halten. „Man merkt schnell, dass die Menschen sehr unterschiedlich sind“, sagt Dietrich. „Manche wollen wirklich diskutieren.“ Für viele in Königstein ist die Werkstatt 26 deshalb längst mehr als ein Haus: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen – und diesen gemeinsam gestalten.

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