Dorfladen & Dorftreff Hiltensweiler
88069 Langnau (Hiltensweiler), Tettnang, Deutschland · 1.218 Einwohner:innenEinkaufen, Kaffee trinken, miteinander reden
Draußen schaukeln Kinder auf dem kleinen Spielplatz neben dem Dorfladen. Drinnen sitzen Menschen im Café bei Kaffee und Brezeln, während andere schnell Brot oder Gemüse einkaufen. Der Dorfladen & Dorftreff Hiltensweiler ist heute Nahversorgung und Treffpunkt zugleich. Das war nicht immer so. Der kleine Ortsteil von Tettnang im Hinterland des Bodensees hatte lange keinen solchen Ort mehr. Die Gasthäuser waren geschlossen, der letzte Tante-Emma-Laden ebenfalls. „Wer einkaufen wollte, musste wegfahren“, sagt Initiator Stefan Wortmann. „Und für ein Gespräch gab es eigentlich keinen Ort mehr.“
Eine Idee aus dem Dorf
2015 beschlossen Wortmann und seine Nachbarin Anja Bohner, daran etwas zu ändern. Sie entwickelten die Idee eines Dorfladens mit Treffpunkt und gingen damit von Tür zu Tür. Die Resonanz war groß. Schließlich gründeten 82 Bürger:innen eine Unternehmensgesellschaft und brachten gemeinsam 22.500 Euro Startkapital auf. Weitere stille Gesellschafter mit zusätzlichem Kapital kamen hinzu. Die Stadt Tettnang mit Erbpacht der Kirchengemeinde stellte Räume im ehemaligen Kindergarten zur Verfügung. 2017 öffnete der Dorfladen.
Einkaufen und bleiben
Heute gibt es hier regionale Lebensmittel – Obst, Gemüse, Wurst und Käse –, ergänzt durch ein Grundsortiment. Unter der Woche arbeiten Teilzeitkräfte und Minijobber:innen im Laden, am Wochenende helfen Ehrenamtliche. Am Sonntagvormittag verkaufen sie frische Brötchen der lokalen Bäckerei. Viele Besucher:innen bleiben gleich im Café sitzen. Das ist so geplant: Der Zugang zum Laden führt bewusst durch den Cafébereich. „Miteinander reden ist etwas anderes, als übereinander reden“, sagt Wortmann. „Dafür braucht es einen Ort.“ Im Obergeschoss gibt es außerdem einen Gemeinschaftsraum. Hier treffen sich Gruppen aus dem Dorf, etwa eine Klöppelrunde oder ein Witwen- und Witwerstammtisch. Hier werden Feste gefeiert, Kinofilme gezeigt. Wer eine Idee hat, kann den Raum nutzen – Voraussetzung ist nur, dass kein Eintritt verlangt wird.
Ein Dorf trägt seinen Laden
Steigende Preise brachten den Dorfladen zuletzt wirtschaftlich unter Druck. Doch die Dorfgemeinschaft reagierte: Kund:innen kamen zurück. 21 Unternehmen aus der Region unterstützen das Projekt inzwischen mit Sponsoring. Und der Veranstaltungsraum wird hin und wieder auch vermietet. Der Dorfladen ist deshalb mehr als ein Geschäft. Er ist ein Ort, an dem Menschen einkaufen, sich begegnen und miteinander reden – während draußen die Kinder auf dem Spielplatz schaukeln.

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